2020-2025: "Zeppelin"-Triebwagen 144

TW144 Krakow 49 95   TW144 20030629 Muggenhof 020

Der im Jahr 1984 restaurierte Zeppelinwagen ist bisher wichtiges Exponat im Historischen Straßenbahndepot St. Peter. Leider erfüllt er die Anforderungen der BOStrab (Verordnung über den Bau und Betrieb von Straßenbahnen) ist sehr vielen Punkten nicht, sodass er nicht im Streckennetz der Nürnberger Straßenbahn eingesetzt werden kann.
Die Restaurierung des "Zeppelin"-Triebwagens 144 wird die Bauteile des bestehenden, 1984 restaurierten Wagens zwischen den Städten Nürnberg und Krakau aufteilen, sodass für beide Städte ein fahrfähiger "Zeppelin"-Triebwagen entstehen kann. Nach der Fertigstellung soll der Wagen für den Fahrgastbetrieb zugelassen und im Rahmen von Sonderfahrten im Nürnberger Streckennetz eingesetzt werden.

 


 

Die Geschichte des Zeppelinwagens 144

1906:
Während der Bayerischen Jubiläums-Landesausstellung wird eine elektrische Ausstellungsrundbahn durch das Gelände am Dutzendteich errichtet. Die 10 offenen Sommer-Triebwagen wurden von der MAN extra zu diesem Zweck gebaut. Nach dem Ende der Ausstellung erwirbt die Nürnberg-Fürther Straßenbahn die Wagen, verschrottet die Aufbauten und lagert die Drehgestelle und weitere Teile ein.

01 1906 Ausstellungswagen 5 und 1 IMG 4875

 

1909:
Auf Basis der vorhandenen Drehgestelle baut die MAN in Nürnberg 10 besonders geräumige Straßenbahnwagen. Mit einer Länge von 11 Meter waren sie die längsten Wagen ihrer Zeit in Nürnberg. Aufgrund ihres eleganten Aussehens und der abgerundeten Front erhalten sie den Beinamen "Zeppelinwagen" in Anlehnung an eines der Luftschiffe von Graf Zeppelin, das 1909 in Nürnberg auf der danach so benannten Zeppelinwiese eine Zwischenlandung machte.

05 1909 Lieferaufnahme eines Zeppelinwagens im Werk der MAN

Der Zeppelinwagen 146 im Jahr 1909 im Werk der MAN in Nürnberg.
(Aufnahme: Archiv des Vereins)

 

1909-41:
Die Zeppelinwagen sind im Nürnberger Straßenbahnnetz im Einsatz. Aufgrund ihrer geringen Motorleistung werden sie meist ohne Anhänger eingesetzt. Ihre Stammlinie wird die Linie 6 durch die enge Sebalder Altstadt. Ab den 1930-Jahren kommen die Zeppelinwagen nur noch bei Bedarf zum Einsatz, vor allem im Rahmen des Massenverkehrs zu den jährlich in Nürnberg stattfindenden Reichsparteitagen bis 1938.

 

1941:
Das "Reichsleistungsgesetz" zwingt viele deutsche Verkehrsbetriebe, überzählige Straßenbahnwagen zu verkaufen. Die 10 "Zeppelinwagen" kommen zusammen mit zahlreichen Beiwagen in das durch die Deutschen besetzte Krakau. Andere Wagen kommen nach Kattowitz (Schlesien, heute Katowice) oder Posen (Schlesien, heute Poznań). Der Austausch mit den Verkehrsbetrieben in den von den Deutschen besetzten Gebieten ist wenig freundschaftlich, Ersatzteile werden zu hohen Preisen verkauft.

12 1941 verladene Zepplinwagen in Muggenhof

Ein Zug mit Nürnberger Straßenbahnwagen macht sich im Jahr 1941 auf den Weg von Nürnberg nach Krakau.
(Aufnahme: Archiv der VAG Nürnberg)

 

1950er Jahre:
Die Zeppelinwagen werden auf allen Linien im Krakauer Streckennetz eingesetzt. Die schwachen Fahrmotoren werden durch Motoren englischer Fabrikate ersetzt. Die Wagen werden umgebaut, die Fenstereinteilung geändert, die Einstiege durch Schiebetüren verschlossen. Der Anstrich der Wagen wird auf blau-weiß geändert – den Hausfarben der MPK Kraków.

17 ca 1965 Zeppelinwagen im letzten Einsatzzustand in Krakau

Ein „Zeppelinwagen in den letzten Einsatzjahren um 1965 in Krakau.
(Aufnahme: Archiv der MPK Kraków)

 

1970:
Der letzte "Zeppelinwagen" wird in Krakau außer Dienst gestellt. Der Wagen 89 (ehemals 144) wird zum Oberleitungsmontagewagen 1010. Dazu erhält er ein Stromerzeugungsaggregat im Inneren, um auch ohne Fahrleitung verwendet werden zu können. Das Dach wird zur Hälfte abgebrochen und eine Montagebühne wird installiert.

 

1976:
Ein Mitglied des Vereins der "Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e.V." reist durch Polen und "entdeckt" den Zeppelinwagen 144. Der Austausch mit der MPK Kraków beginnt. Das ehrgeizige Ziel: Der Zeppelinwagen soll wieder in seine alte Heimat zurückkehren – trotz des Eisernen Vorhangs und der damit verbundenen schwierigen Rahmenbedingungen. 1977 wird der "Zeppelinwagen" Gegenstand der politischen Diskussion.

21 1980 Zeppelinwagen 144 im Zustand vor der Restaurierung in Krakau 1

Der Triebwagen 144 als Oberleitungsmontagewagen 1010 in Krakau – Betriebshof Nowa Huta um 1982. Zwei Jahre später wird er wieder nach Nürnberg zurückkehren.
(Aufnahme: Archiv des Vereins)

 

1979:
Nürnberg und Krakau werden Partnerstädte. Der "Zeppelinwagen" hat daran einen wesentlichen Anteil. Er soll erstes gemeinsames Projekt der jungen Partnerschaft werden.

 

1982:
Der Wiederaufbau des Zeppelinwagens in den Werkstätten der MPK Kraków beginnt. Der Wagenkasten wird komplett neu erstellt. Vereinzelt reisen Nürnberger Delegationen nach Krakau, um den Wiederaufbau zu begleiten, doch die Kommunikation ist wegen der geschlossenen Grenzen sehr schwierig.

25 1983 Zeppelinwagen 144 waehrend der ersten Rekonstruktion 2

Der Zeppelinwagen 144 wird in Krakau restauriert. Aufnahme aus dem Jahr 1983 in der Hauptwerkstatt der MPK Kraków.
(Aufnahme: Archiv des Vereins)

 

1984:
Der "Zeppelinwagen" 144 kehrt nach Nürnberg zurück und wird feierlich vorgestellt. Eine Zulassung für den historischen Fahrbetrieb erhält er nicht. Die gut gemeinte Ausstattung des Wagens mit elektrischen Komponenten aus polnischer Produktion genügt den Anforderungen der deutschen Behörden nicht. Er wird zentrales Exponat im 1985 gegründeten Hist. Straßenbahndepot St. Peter.
In Krakau beginnt dank des Zeppelinwagens ein Umdenken: Man besinnt sich der Geschichte der Straßenbahn und beginnt ebenfalls Wagen zu erhalten.

 

1989:
Bedingt durch den Ausbau der U-Bahn hat Nürnberg wieder Straßenbahnen übrig. Die engen Beziehungen zu Krakau werden genutzt und in den folgenden Jahren knapp 200 Straßenbahnwagen nach Krakau verkauft oder verschenkt, eine Geste, für die die Krakauer den Nürnbergern bis heute dankbar sind. Es entsteht ein reger Austausch auf Arbeitsebene und eine besondere, generationenübergreifende Freundschaft.

31 20011002 TW300er in Krakau 157

Ein Nürnberger 200er im Einsatz in Krakau.
(Aufnahme: Andreas Neuer, 2001)

 

2009:
Die "Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e.V." und die MPK Kraków beginnen erneut, historische Straßenbahnwagen zu restaurieren. Die enge Freundschaft bleibt so erhalten, obwohl in Nürnberg keine älteren Straßenbahnwagen mehr zur Abgabe vorhanden sind.

33 2011 restaurierter BW336 in Krakau

Nach erfolgter Restaurierung zeigt sich der Beiwagen 336 im Nürnberger Grün hinter seinen Krakauer Kollegen.
Der Beiwagen in der Mitte ist ebenfalls ein ehemaliger 'Nürnberger' und wurde 1941 nach Krakau verkauft.
(Aufnahme: Jacek Kołodziej, 2011)

 

2017:
Unsere Freunde in Krakau äußern erstmals den Wunsch, gemeinsam den "Zeppelinwagen" auch für Krakau wieder auferstehen zu lassen. Die Idee wird geboren, den bestehenden Wagen so zu ertüchtigen, dass am Ende zwei funktionsfähige Wagen – einer für Nürnberg und einer für Krakau – entstehen.

 

Bildergalerie "111 Jahre Zepplinwagen"

 


 

Jeweils ein Zeppelinwagen für die Partnerstädte Nürnberg und Krakau

Der im Jahr 1984 restaurierte Zeppelinwagen ist bisher wichtiges Exponat im Historischen Straßenbahndepot St. Peter. Leider erfüllt er die Anforderungen der BOStrab (Verordnung über den Bau und Betrieb von Straßenbahnen) in sehr vielen Punkten nicht, sodass er nicht im Streckennetz der Nürnberger Straßenbahn eingesetzt werden kann.

01 Zeppelin 1984 de de

Gegenstand der technischen Ertüchtigung war, die Bauteile des bestehenden, 1984 restaurierten Wagens zwischen den Städten Nürnberg und Krakau aufzuteilen, sodass für beide Städte ein fahrfähiger Wagenkasten entstehen konnte. Die jeweils nicht vorhandenen Bauteile wurden anhand von Mustern oder der originalen Zeichnungen jeweils ergänzt. Die originale Substanz von 1906 bzw. 1909 wurde dabei zwischen Nürnberg und Krakau aufgeteilt.

02 Zeppelin Aufteilung de de

Technologisch war insbesondere der Bau eines neuen Untergestells (Rahmen) für den Nürnberger Zeppelinwagen aufwendig. Hierfür wurde in über 2000 Arbeitsstunden eine vollständige Dokumentation für den Bau eines neuen Rahmens in genieteter Stahlbauweise erstellt. Nur noch wenige Firmen weltweit beherrschen diese alte Niettechnik, sodass wir uns sehr glücklich schätzen, mit der Firma Autosan S.A. in Sanok (Südpolen) eine entsprechende Fachfirma gefunden zu haben. Diese hatte bereits den Rahmen unseres Beiwagens 1023 anhand der Originalzeichnungen erstellt.

Der Holzaufbau aus Eichenholz wurde anhand der Originalzeichnungen von 1909 durch die Schreinerei Stryszowski in Wieliczka bei Krakau (www.stryszowski.pl) hergestellt. Auch mit dieser Firma verbindet uns eine lange Zusammenarbeit: Bereits bei den Beiwagen 336 und 1023 konnte Krzrystof Stryszowski sein besonderes Können und die Liebe zu Detail beweisen. Alle Bauteilformen bis hin zu den Profilen der Zierleisten wurden auf Basis vorhandener Wagen der Epoche durch Vereinsmitglieder katalogisiert, sodass die Anmutung des historischen Originals perfekt wird.

Sämtliche Montagearbeiten, maschinentechnischen Instandsetzungen sowie die Lackierarbeiten und die Verkabelung wurden durch die Hauptwerkstatt der MPK Kraków (www.mpk.krakow.pl) durchgeführt, die parallel den Zeppelinwagen für Krakau erstellt.

 

 


 

Ein kleiner Bilderbogen

 


 

Die wichtigsten Bauphasen

 

- im Aufbau -

 


 

Finanzierung dank Spenden möglich

Dank einer großzügigen Spende der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg und verschiedender Firma sowie der Unterstützung vieler Vereinskollegen und Dritter war im Februar 2024 das Ziel weitestgehend erreicht: 225.000 EURO an Zuwendungen und Verkaufserlösen waren zur Finanzierung des Projektes vorhanden. An dieser Stelle ein herzliches "Dankeschön" an alle Unternehmen und Stiftungen, Vereinskollegen und Straßenbahn-Begeisterten, die durch eine Spende dieses Restaurierungsprojekt des Vereins ermöglicht haben.

 


 

Technische Daten des "Zeppelin"-Triebwagens 144:

Reihe:   141 - 150
Hersteller:   MAN Nürnberg/SSW
Baujahr:   1909
Ausmusterung:   1941 (bis 1983 Einsatz in Krakau)
Achsfolge:   (A1)'(A1)'
Länge:   11.000 mm
Breite:   2.080 mm
Achsstand:   1.500 mm
Leergewicht:   14.500 kg
Sitz- / Stehplätze:   26 / 24
Copyright © 2026 Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e.V. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.