Freud und Leid ...

20111210_Fahrplanwechsel_2011_2012_head

.. liegen oftmals nahe beieinander – das traf diesmal auf den alljährlichen Fahrplanwechsel zu, der so einige Überraschungen bereit hielt.

Zum einen galt es die Eröffnung der U-Bahnlinie U3 von Maxfeld zum Friedrich-Ebert-Platz und die Straßenbahnstrecke vom Hauptbahnhof zum Aufseßplatz durch die nördliche Pillenreuther Straße zu feiern, zum anderen musste Abschied vom Nordast der Straßenbahnlinie 9 zwischen Thon und Hauptbahnhof durch die Pirckheimerstraße und von der Liniennummer 7 genommen werden.

Wir Straßenbahnfreunde waren, wie es sich bei derartigen Großereignissen gehört, mit Verkaufsständen am Friedrich-Ebert-Platz und am Celtisplatz vertreten, als Schaffner auf den historischen Zügen im Netz unterwegs und, wenn auch nicht offiziell, auch bei den Abschiedsfahrten zugegen.

Das Festprogramm begann am Samstag gegen 10:30 Uhr am neuen U-Bahnhof Friedrich-Ebert-Platz mit einem Unterhaltungsprogramm durch die Straßenbahnerkapelle. Gegen 10:50 Uhr erreichten die festlich geschmückten DT3-Zugeinheiten 709/710+755/756 und 7xx/7xx+741/742 mit den Ehrengästen den U-Bahnhof Friedrich-Ebert-Platz. Nach den Festreden von Baureferent Wolfgang Baumann, Oberbürgermeister Ulrich Maly, Staatssekretär Andreas Scheuer und Staatssekretärin Katja Hessel wurde die Neubaustrecke von den Vertretern der beiden großen christlichen Konfessionen geweiht und anschließend mit dem Durchschneiden des Eröffnungsbandes für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Bevölkerung nahm die neuen Bahnhöfe daraufhin in Augenschein und nutzte das von der VAG für den Rest des Tages geltende Freifahrangebot auf der gesamten U-Bahnlinie U3. Der dann reguläre Fahrbetrieb wurde überwiegend von U-Bahn-Fahrzeugen des Typs DT3-F bestritten.

Gegen 12:45 Uhr wurden die Straßenbahn-Sonderzüge TW 1204 und TW 1207 für die Ehrengäste sowie der historische Zug TW 876+BW 1258 für die interessierte Öffentlichkeit bereitgestellt, um über Plärrer bzw. Hauptbahnhof den Transfer zur zweiten Streckeneröffnung des Tages zu leisten. Nach Ankunft der Fahrzeuge am Celtisplatz wurde die Neubaustrecke nach den Festreden von Oberbürgermeister Ulrich Maly und VAG-Vorstand Josef Hassler um 13:40 Uhr feierlich dem Verkehr übergeben. Da das neue Liniennetz aber erst mit dem Fahrplanwechsel am darauffolgenden Tag in Kraft treten sollte, fuhr die Linie 5 den restlichen Samstag vom Tiergarten kommend über Hauptbahnhof und Celtisplatz zur Christuskirche, um in der dortigen Schleife zu wenden. Als letzter Planzug der alten Straßenbahnlinie 5 verließ TW 1115 um 14:04 Uhr die Schleife Hauptbahnhof, als erster Planzug der neuen Straßenbahnlinie 5 Richtung Tiergarten erreichte TW 1204 den Hauptbahnhof und traf dort auf TW 1113, der als erster Planzug Richtung Christuskirche fuhr. Die Fahrt mit der neuen Straßenbahnlinie 5 war, ebenso wie auf der U-Bahnlinie U3, für den Rest des Tages kostenlos. Neben dem regulären Linienverkehr auf der Neubaustrecke wurden Pendelfahrten mit TW 876+BW 1258 als Linie 14 zwischen Hauptbahnhof (Wende über Scheurlstraße), Celtisplatz und Christuskirche angeboten.

Am Abend standen dann noch die beiden traurigen Ereignisse des Tages an.

Um 19:47 Uhr startete der letzte 7er vom Hauptbahnhof zur Tristanstraße. Auch wenn hier nur das Liniensignal 7 verschwand und die Strecke fortan von der Straßenbahnlinie 8 befahren wird, fanden sich zahlreiche Nahverkehrsfans ein, um diesem Ereignis beizuwohnen und es entsprechend zu dokumentieren.

Das eigentliche Abschiednehmen fand dann ab kurz nach Mitternacht statt, als die beiden letzten bis zur jeweils anderen Endhaltestelle verkehrenden Planzüge der Straßenbahnlinie 9 starteten. Auch wenn es keine offizielle Abschiedsfahrt mit einem historischen Fahrzeug gab, war die Anteilnahme unter den Nahverkehrsfans groß. Mit kleinem Trauerflor setzte sich TW 1117 um 0:15 Uhr vom Doku-Zentrum und TW 1121 mit entsprechendem Hinweis versehen um 0:29 Uhr von Thon aus in Bewegung, um durch das nächtliche Nürnberg ihrer jeweiligen Endhaltestelle entgegenzurollen. Am Hauptbahnhof füllte sich der Richtung Thon fahrende Zug mit weiteren „Trauergästen“, traf vor der Haltestelle Maxfeldstraße auf seinen Gegenpart Richtung Doku-Zentrum und erreichte nach einigen Fotohalten an den letzten Unterwegshaltestellen die Endstation Thon. Dort bestand zum letzten Mal die Möglichkeit, einen Planzug der Straßenbahnlinie 9 fotografisch festzuhalten, ehe der Zug nach kurzer Standzeit ebenfalls zum letzten Mal das Liniensignal wechselte, um als Straßenbahnlinie 4 über Plärrer, Landgrabenstraße und Frankenstraße ins Depot Heinrich-Alfes-Straße einzurücken.

Der folgende Tag brachte mit dem Fahrplanwechsel die vorgesehenen Änderungen im Liniennetz der Straßenbahn und die Auflösung der nun nicht mehr von der Straßenbahnlinie 9 angefahrenen Haltestellen Krelingstraße, Maxfeldstraße, Wurzelbauerstraße und Rennweg, deren Verlust durch ein im Unterstand der stadteinwärtigen Haltestelle Maxfeldstraße angebrachtes Banner beklagt wird.

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