"Nürnberger Straßenbahn ohne Schaffner auf acht Achsen"

Dieser Bericht vom vergangenen Sonntag (01. April 2018) war natürlich unser Aprilscherz.

Vor 50 Jahren – Nürnberger Straßenbahn ohne Schaffner auf acht Achsen

01 401 Prototyp 1968 web   Über einen Nachlass hat das Archiv der Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e.V. einen interessanten Prospekt der MAN aus dem Jahr 1968 erhalten, der einen achtachsigen Gelenkwagen zeigt. Neugierig haben wir Geschäftsberichte und alte Dienstanweisungen studiert und sind mit einem kleinen VAG-Vermerk fündig geworden, auch wenn wir von dem Fahrzeug nur wenig Bildmaterial im MAN-Archiv finden konnten.
     
03 Prototyp 401 web   04 Prototyp 401 web

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wagenpark der Nürnberg –Fürther Straßenbahn mit ausschließlich zweiachsigen Trieb- und Beiwagen weitgehend überaltert. In den Wiederaufbaujahren wurden Anfang 1950 nochmal zweiachsige Triebwagen beschafft, bis dann 1955 die Großraumwagen der MAN in Nürnberg vorgestellt wurden. Es waren vierachsige Einrichtungstriebwagen, die mit baugleichen Beiwagen bis 1960 beschafft wurden. Ab 1962 lieferte die MAN schließlich sechsachsige Gelenktriebwagen. Ziel war, die personalintensiven Drei-Wagen-Züge endgültig abzulösen.

Die 1960er-Jahre standen ganz im Zeichen der Kostenreduktion bei gleichzeitiger Erhöhung der Beförderungskapazität. Neben dem Fahrer befanden sich ursprünglich sowohl im Trieb- als auch im Beiwagen Schaffner (diese hatten an der jeweils hintersten Türe einen festen Sitz mit Zahltisch). Im November 1964 begann man, im Triebwagen der Linien 1 und 21 den schaffnerlosen Betrieb einzuführen. Die Triebwagen waren dann Fahrgästen mit Sichtkarten sowie Umsteigern vorbehalten. Fahrscheine gab es nur noch im Beiwagen. Ab 1965 wurden an stark frequentierten Haltestellen sogenannte „Standschaffner“ eingesetzt, die bereits vor dem Wagen Fahrscheine verkauften. Bis 1967 wurden schließlich auf den meisten Linien in den Triebwagen mit Türschlie߬automatik die Schaffner eingespart. Ab 1968 war auch in den Wagen der Baureihe 100 zu lesen „Wagen ohne Schaffner“.

Im Hinblick auf den im Jahr 1969 kommenden „Ein-Mann-Betrieb“ (also ganz ohne Schaffner) wurden Überlegungen angestellt, auf nicht so stark frequentierten Linien den Beiwagen-Betrieb komplett einzustellen. Um aber dennoch eine hohe Fahrgastkapazität zu erzielen, beauftragte die VAG die MAN mit der Entwicklung eines achtachsigen Wagens auf Basis des bewähren Triebwagens der Baureihe 300. Schließlich hatte die Düwag bereits 1958 ihren GT-Wagen in einer dreiteiligen Achtachser-Variante an die Rheinbahn Düsseldorf geliefert. Es folgten neben etlichen anderen Städten auch Frankfurt, Heidelberg, Krefeld, Ludwigshafen Wuppertal.

Dem wollte die MAN als Nürnberger Hauslieferant natürlich in nichts nachstehen und baute einen achtachsigen Prototyp mit zwei Drehgelenken. Der so entstandene C-Wagen mit einer Doppeltür bot zwar nur zehn Einzelsitze, jedoch dadurch einen größeren Stehplatz-Auffangraum. Die Wagenhälften A und B waren noch aus der Entwicklung der 300er-Serie vorhanden, so dass sich im B-Wagen noch ein (nicht mehr erforderlicher) Schaffnersitz befand.

Am Wochenende des 6. April  1968 wurde um kurz nach sieben Uhr früh schließlich der Wagen 401 vom Werksgelände der MAN über das Anschlussgleis an der Frankenstraße in das Nürnberger Straßenbahnnetz geschoben. Von dort aus fuhr der Wagen aus eigener Kraft zunächst durch die Frankenstraße zur Tunnelrampe Tiroler Straße, um dann einen Tag lang ausgiebig zwischen Bayernstraße und  Bauernfeindstraße getestet zu werden.

Letztendlich kam es aber nie zur Ausführung, denn für einen möglichen Beiwagenbetrieb waren die meisten Nürnberger Haltestellen nicht ausgelegt. Ferner scheiterte es auch an den Wartungsmöglichkeiten, denn die Schiebebühne in der Hauptwerkstatt Muggenhof war zu kurz. Sie stammte noch aus der Zweiachserzeit, nach früherer zweimaliger  Verbreiterung ließen die umgebenden baulichen Gegebenheiten keine Anpassung mehr zu.
Der Prototyp 401, der für den Testbetrieb nur mit zwei von drei geplanten Motoren angetrieben wurde, weil elektrisch nicht vollständig ausgeführt, wurde im Herbst 1968 bei der MAN verschrottet.

April, April!

Eintagsfliege – Nürnberger Straßenbahn ohne Schaffner auf acht Achsen

Dillmann K077 017 web   Eine interessante Geschichte hatten wir da zusammengebastelt. Aber weil denn einmal wieder der 1. April nahte, haben wir ein wenig Archiv und Phantasie bemüht. Die Profis haben es natürlich gleich durchschaut: "Die Straßaboh" Redakteur Andreas Neuer hat die Geschichte der Großraumwagen und des schaffnerlosen Betriebs in Nürnberg "ein wenig ergänzt".
Natürlich ist der schöne  "Nürnberger Achtachser" niemals gebaut worden und vor wenigen Tagen mit dem Computer entstanden – hätte möglicherweise aber gut in die Stadt gepasst.
     
April, April sagen die Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e.V.
Anbei aber diesmal ganz echt der Original-Prospekt des Gelenktriebwagens 300 der MAN aus den 1960er-Jahren sowie der erste Sechsachser Nürnbergs, TW 301 an der Bayernstraße.
  Prospekt MAN GTw300 web

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